Ganz anders als in unserer Kultur, die das Bild vom „sündigen“ Menschen postuliert, wird im Tibetischen Buddhismus – im Buddhismus allgemein - der Mensch als vollkommen gut angesehen. Dabei handelt es sich um ein Gutsein, das jenseits des Gegensatzes Gut-Böse angesiedelt ist. Dieser Befund wird mit einer Vielfalt von Termini bezeichnet. „Buddhanatur“, „Soheit“, „Letztendliche Wirklichkeit“ sind nur einige von ihnen.
Gemeint ist damit ein Erfahrungsmodus, der u.a. den illusionären Charakter aller Erscheinungen, damit auch von Krankheit, Schmerz, ja selbst des Todes, vollkommen versteht und auch so erlebt. Verglichen wird dies of bildhaft mit dem Strömen klarsten Wassers.
Krankheiten, Schmerz, Leiderfahrung allgemein, werden als zeitweilig auftretende Erscheinungen angesehen, mit denen wir uns aber im allgemeinen ganz und gar identifizieren, wodurch dieses „Strömen der Reinheit“ verdeckt ist, nicht kontaktiert werden kann, oder eben „verschmutzt“ ist durch Missverstehen.
Um diese grundlegende Natur berühren zu können, ist ein Prozeß notwendig, in dem die Ursachen der „Verschmutzung“ erklärt werden, nämlich die Grundmuster von Abneigung/Festhalten, eingebettet in panikartiges Reagieren.
Wir lernen diesen Prozess der Leiderzeugung zu verstehen und integrieren dieses Verständnis in unser Erleben – durch Üben (Meditation!) lernen wir dann, tatsächlich auch praktisch dementsprechend zu handeln, es bleibt nicht Theorie.
Wir entdecken bei diesem Klärungsprozess Zusatzleiden - d.h. die Geschichten, die wir uns über das Leiden erzählen – und können ihren Unwirklichkeitscharakter durchschauen, hören auf, ihnen zu folgen und zu glauben.
Indem wir durch die Übung Raum, d.h., Entspanntheit und Angstverminderung durch Verstehen und Erleben, schaffen, kann der Heilungsprozeß, der durch konventionelle Behandlungsmethoden eingeleitet wird, in hohem Maße unterstützt werden.
Selbst die Erfahrung des Sterbenmüssens verliert so mehr und mehr ihren Schrecken. Wir üben, unsere Angst vor dem Tod zu heilen.
In dem Workshop geht es zunächst darum, ein grundlegendes Verständnis der menschlichen Bedingung zu erarbeiten.
Daraus resultiert ein Verständnis über schmerzhafte Erscheinungen wie Krankheit etc., was die Möglichkeit einer größeren Akzeptanz mit sich bringen kann.
Im letzten Teil werden einige Methoden, die wir wegen ihrer eindringlichen Bildhaftigkeit ausgewählt haben, vorgestellt und in einen psychotherapeutischen Zusammenhang gestellt.





